Ich stehe in meinem Keller und starre auf das Vorderrad meines Fahrrads.
Reifen platt … und eine Schraube fehlt.
Die Zeit läuft mir langsam davon.
Ich schraube die Schraube von meinem alten Fahrrad ab, baue sie ins neue ein, will losfahren … aber irgendwas klemmt.
Die Kette ist ab und hat sich komplett verklemmt.
Also ziehe ich daran wie ein Verrückter.
Irgendwann springt sie raus … und meine Hand gleich mit an der Speiche entlang.
Schmerzen.
Blut.
Ich dachte kurz: Tetanus oder Zeitsprung? Ich habe mich für den Zeitsprung entschieden.
Ich schaue auf die Uhr: 12 Minuten noch.
Dann muss ich beim Zeitsprung sein …
Mit einer Kundin aus der Schweiz, die extra über 10 Stunden fährt. Für diesen einen Tag mit mir.
Ich kämpfe mit meinem Fahrrad, aber sie fährt einfach 10 Stunden durch Europa! 🤯
3 Minuten zu spät komme ich am Treffpunkt an.
Völlig außer Puste.
Sie lächelt.
Wir umarmen uns.
Normalerweise überlege ich jedes Mal, wie ich Kunden begrüße.
Bei ihr war es sofort klar.
Dann erzählt sie mir:
Ihr Auto ist kaputt gegangen.
Sie ist mit einem Mietwagen da.
Hotels?
Alle ausgebucht wegen einer Messe in Essen.
Aber trotzdem steht sie vor mir.
Und in diesem Moment wird mir klar:
Jetzt gibt es keine Ausreden mehr.
Ich muss abliefern.
Das war letzte Woche.
Diesen Samstag kommt die nächste Schweizerin zu einem Zeitsprung.
Wieder über 10 Stunden Fahrt.
Wieder alles andere als bequem.
Und ich weiß jetzt:
Das ist kein Zufall mehr.
Aber auch eine große Verantwortung.
Ich hoffe nur, mein Fahrrad hält diesmal.



