Freitagabend. Ich stehe barfuß im holländischen Sand.
Die Sonne scheint, Möwen kreischen, meine Füße frieren.
Zwei Freunde rennen schreiend an mir vorbei ins Meer.
Ich bleibe mit den Füßen im Wasser stehen und denke: „Warum mache ich das eigentlich nicht öfter?“
(Dass ich mich selbst schon beim ersten Wellenkontakt gedrückt habe, verschweigen wir an dieser Stelle mal.)

Denn eigentlich nutze ich meine Freiheit ziemlich oft.
Ich meine …
Wer geht schon Montagabends bis tief in die Nacht pokern?
Oder fährt an einem Dienstagmorgen einfach mal sieben Stunden mit dem Rad an der Ruhr entlang, nur weil das Wetter schön ist?
Genau für solche Momente der Freiheit bin ich seit fast sieben Jahren selbstständig.
Aber an diesem Wochenende habe ich gemerkt: Ich nutze meine Freiheit zwar … aber meistens auf die gleiche Art.
Fahrrad, Wandern, Pokern, Ausspannen.
Das ist schön, keine Frage.
Aber ans Meer fahren?
Spontan ins Sauerland in den Wald?
Einfach was Neues ausprobieren?
Das mache ich viel zu selten.
Und ehrlich gesagt … manchmal fühle ich mich dabei sogar ein bisschen schuldig.
Weil ich mir diese Freiheit so hart erarbeitet habe – und sie dann doch nicht in ihrer vollen Breite nutze.
Fast so, als hätte ich ein Ticket für die ganze Welt in der Tasche, aber ich fahre immer nur bis Kettwig.
Und jetzt ist das Wochenende vorbei – Schnips, drei Tage einfach weg – da wird mir klar:
Freiheit heißt nicht nur, die Routine selbst zu bestimmen.
Freiheit heißt, auch mal aus der Routine auszubrechen.
Also will ich in Zukunft öfter einfach morgens ins Auto steigen, ans Meer fahren oder einen neuen Weg nehmen.
Denn … wenn ich’s jetzt nicht tue, wann dann?
Weil das Leben zu kurz ist, um die eigenen Möglichkeiten in Dauerschleife zu wiederholen.
Und falls du mich nächste Woche zum tausendsten Mal wieder nur in Essen-Kettwig auf dem Radweg siehst … erinner mich bitte daran. Oder bring wenigstens Kaassoufflé mit.
Danke.
Kevin




